FLUORESZENZ

Das blaue Leuchten

Auf einen Blick

  • Ein optisches Phänomen, bei welchem ein Material bei Anregung durch UV-Strahlung aufleuchtet
  • Fluoreszenz ist in jedem Zertifikat vermerkt, da sie Auswirkungen auf den Preis wie auch auf das Erscheinungsbild haben kann
  • Wichtig: Aus gemmologischer Sicht ist Fluoreszenz bei Diamanten kein Qualitätsmerkmal, sondern ein Identifikationsmerkmal

BLAUES LEUCHTEN

Am einfachsten erklärt ist Fluoreszenz der Effekt von UV-Licht auf einen Diamanten. Unter einer UV-Lampe leuchtet der Diamanten dabei blau. Ca. 25-35% aller Diamanten haben Fluoreszenz in unterschiedlicher Intensität. Diese ist nicht schädlich, sondern vielmehr nur eine weitere Eigenschaft um den Diamanten zu beschreiben. Als solche ist die Fluoreszenz auf jedem Diamant Zertifikat auch festgehalten.

Fluoreszenz Ohrstecker

SELTEN

Ähnlich wie bei der Diamant Farbe sind kleinste Veränderungen auf der atomaren Ebene verantwortlich für das Vorhandensein (oder auch die Verhinderung) von Fluoreszenz. Diese hat im Übrigen keinen Einfluss auf die Güte oder Stabilität des Diamanten. Während 95% der fluoreszierenden Diamanten blau leuchten, gibt es auch andere Farben.

Tatsächlich ist Fluoreszenz selten: Mittlere, starke und sehr starke Fluoreszenz zeigen gerade einmal ca. 2 bis 3,5 Prozent aller Diamanten.

FLUORESZENZ UND PREIS

Diamanten, die Fluoreszenz aufweisen, sind heute im Markt meist günstiger. Bei hohen Farben (D-G) kann der Preisunterschied sogar bis zu 15% betragen. Der Markt bewertet Fluoreszenz also negativ, was sich im Preis widerspiegelt.

Ein Grund dafür könnte die Angst vor so genannten „overblues“ sein. Dies sind Diamanten mit extrem starker blauer Fluoreszenz, die den Edelstein etwas trüb erscheinen lassen. Das wahrscheinlich bekannteste Beispiel dafür ist der 127 Karat schwere „Portugiesische Diamant“, der größte geschliffene Diamant der Smithsonian Collection.

GIA - Gemological Institute of America

GIA DENKT ANDERS

Aus gemmologischer Sicht kommen Studien des Gemological Institute of America (GIA) zu einer anderen Bewertung der Fluoreszenz bei Diamanten: Die überwältigende Mehrheit der fluoreszierenden Diamanten haben keinen nachteiligen Einfluss auf das Erscheinungsbild des Edelsteines.

Im Gegenteil: In vielen Fällen haben die Probanden das Vorhandensein der Fluoreszenz begrüßt. Hat der Diamant nämlich etwas Farbe, neutralisiert die bläuliche Fluoreszenz den gelblichen Grundton des Farbgrades und der Edelstein wirkt heller. Dies zeigt sich auch in den beiden wichtigsten Ergebnissen einer GIA Studie aus dem Jahr 1997:

DIE TATSACHEN

  • Der (positive) Effekt von Fluoreszenz auf das Erscheinungsbild des Diamanten ist am deutlichsten in den niedrigeren Farbgraden I bis K zu beobachten. Gleichzeitig ist der (negative) Einfluss von Fluoreszenz auf den Preis am größten in den höheren Farbgraden.
  • Das Vorkommen von „overblues“, welche den negativen Einfluss von Fluoreszenz auf den Marktpreis begründen, ist extrem selten. Nur ca. 0,2 % von allen fluoreszierenden Diamanten, die von GIA untersucht werden, weisen eine Trübung durch Fluoreszenz auf. Es sind sogar so wenige an der Zahl, dass es GIA nicht gelungen ist, für eine gesonderte Studie dieser Diamanten genügend Edelsteine zu finden.

 

Brillantschliff Pinzette

FRÜHER WAR ALLES BESSER

Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die feinsten, farblosen und transparentesten Diamanten als „Blauweiß“ (Blue White) bezeichnet. Der Begriff zielt auf einen bläulichen, durch Fluoreszenz bedingten Farbstich ab. Damals galt das bläuliche Leuchten als zusätzliches Funkeln und Qualitätsmerkmal. Der aufwertende Effekt von Fluoreszenz auf den Farbgrad des Edelsteines war schon bekannt.

Im Zuge der Standardisierung der amerikanischen Bundeshandelskommission wurde der Begriff allerdings für irreführend erklärt und ausschließlich für blaue Diamanten reserviert. Hinzu kommt, dass im Zuge der Vereinheitlichung der Graduierungs- und Bewertungssysteme für Diamanten die Fluoreszenz aufgrund ihres aufwertenden optischen Effektes als störend empfunden wurde. Anfangs gab es noch keine normierten Graduierungslampen mit UV-Filtern, sodass ein Diamant je nach Beleuchtung anders gewertet wurde. Ursprünglich kamen die Blauweißen Diamanten aus der südafrikanischen Jagersfontein Mine. Nicht nur wurde der Begriff „Jager“ als Synonym für Blauweiß genommen, sondern Jager war auch die Bezeichnung für den höchsten Farbgrad eines Diamanten.

WO SIEHT MAN FLUORESZENZ?

In der Regel sehen Sie den Effekt von Fluoreszenz gar nicht. Das blaue Leuchten zeigt sich unter UV-Strahlung. Dazu gibt es beispielsweise eine UV-Lampe, Schwarzlicht in der Disko oder UV-Licht im Sonnenstudio. Tatsächlich enthält aber auch das Sonnenlicht etwas UV-Strahlung. Zur Bewertung von Diamanten werden standardisierte Lampen ohne UV-Strahlung eingesetzt um objektive und vergleichbare Ergebnisse zu erzielen.

ENGLISCH DEUTSCH   Bedeutung
None Keine Keine Fluoreszenz
Faint Schwach Unter UV Licht ist ein minimales Leuchten zu erkennen
Medium Mittel UV Licht lässt den Diamant leuchten
Strong Stark Die Reaktion des Diamanten auf langwelliges UV Licht ist deutlich sichtbar
Very Strong Sehr stark Die Reaktion des Diamanten auf langwelliges UV Licht ist sehr deutlich sichtbar

NONE

FAINT

MEDIUM

STRONG

VERY STRONG

Fluoreszenz bei Diamanten

WUSSTEN SIE, DASS…

Diamanten mit Fluoreszenz sind selten

Nur maximal 35% aller Diamanten zeigen Fluoreszenz in unterschiedlicher Stärke. In den meisten Fällen hat dies keine Auswirkung auf das Erscheinungsbild. Sehr starke Fluoreszenz zeigen lediglich 0,34% aller bei AGS (American Gem Society) zur Begutachtung eingereichten Diamanten.

Diamanten mit einem Geheimnis

Fluoreszenz zeigt sich nur unter bestimmten Bedingungen: Normalerweise sieht das Auge keinen Unterschied und fluoreszierende Diamanten sehen aus wie andere Diamanten ohne Fluoreszenz. Lediglich unter UV-Einstrahlung wie beispielsweise Schwarzlicht in der Disko oder bei grellem Sonnenlicht wird die Fluoreszenz sichtbar. Manche sprechen deshalb auch von „Disko-Diamanten“.

Fluoreszenz in allen Farben

In ca. 95% der Fälle ist die Fluoreszenz bei Diamanten blau. Tatsächlich gibt es aber auch orange, gelb, rot, weiss oder grün. Der Unterschied in der Farbe ist bedingt nur Veränderungen auf der atomaren Ebene der Kristallstruktur. Am Ende der Seite sehen Sie noch weiterführende Detailinformationen dazu.

Fluoreszenz auf jedem Zertifikat

Fluoreszenz ist bei Diamanten ein wichtiger Parameter: Sie kann den Preis wie auch das Erscheinungsbild des Diamanten beeinflussen. Darüber hinaus dient sie als weiteres Merkmal um den Stein zu beschreiben. Dies ist insbesondere hilfreich, wenn Sie zwei beinahe identische Diamanten in Größe, Qualität und Maßen vor sich haben. Fluoreszenz hilft oft bei der Unterscheidung – ein Blick unter UV-Licht reicht.

Fluoreszenz ist beliebt

Viele Schmuck- und Diamantliebhaber sehen Fluoreszenz positiv. Die einen freuen sich über den etwas günstigeren Preis, den anderen gefällt „das gewisse Extra“ an Leuchtkraft unter UV-Licht. Nicht nur, weil Fluoreszenz selten ist, sehen viele das blaue Leuchten als etwas Besonderes.

Fluoreszenz und Trübheit

Das größte Missverständnis bei Fluoreszenz ist die Vorstellung, dass diese den Diamanten trüb oder milchig erscheinen lässt. Wissenschaftliche Studien konnten das nicht belegen. Tatsächlich sind die allermeisten fluoreszierenden Diamanten nicht trüb. Bei Diamant Agentur fragen wir im Zweifelsfall vor dem Einkauf fluoreszierender Diamanten trotzdem nach, ob es eine Beeinträchtigung geben könnte. Wir bieten Ihnen nur die besten verfügbaren Diamanten an und filtern vorab für Sie.

Für Interessierte genau erklärt:
Veränderungen in der Kristallstruktur des Diamanten

Diamant ist ein sehr reines Mineral. Trotzdem kommen verschiedene strukturelle Defekte in der Kristallstruktur vor. Hierbei handelt es sich um Verunreinigungen durch einzelne oder mehrere Atome, vornehmlich Stickstoff, Wasserstoff oder Bor. In den meisten Fällen findet man Stickstoff- dieser ist übrigens auch für die gelbliche Färbung der Farbgrade verantwortlich. Veränderungen der Struktur durch Stickstoff können sowohl Fluoreszenz hervorrufen als auch verhindern. Wichtig hierbei ist die Anzahl an Stickstoffatomen:
i)    Eine Gruppe von zwei Stickstoffatomen, das sogenannte A Aggregat, verhindert Fluoreszenz
ii)    Eine Gruppe von drei Stickstoffatomen, das sogenannte N3 Zentrum, verursacht bläuliche Fluoreszenz
iii)    Eine Gruppe von vier Stickstoffatomen, das sogenannte B Aggregat, verhält sich neutral
iv)    Ein einzelnes Stickstoffatom wiederrum kann für gelbe Fluoreszenz verantwortlich sein
v)    Hinzu kommt eine Vielzahl von weiteren Möglichkeiten und Kombinationen aus den oben genannten Stickstoffgehalten, die sich jeweils nach Lage, Symmetrie und Beschaffenheit im Einzelfall anders auswirken können.